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Vulkan bei Santorini: Erdbebenserie im Mittelmeer – Forscher beobachten „ein erhöhtes Risiko“

Eine Erdbebenserie bei Santorini steht momentan unter der genauen Beobachtung der griechischen Behörden und internationalen Forschenden. Denn in der Nähe befindet sich auch ein aktiver Unterwasser-Vulkan.

Panorama der Vulkaninsel Santorini mit dem Dorf Oia
© aerial-drone - stock.adobe.com

So funktionieren Vulkane

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Seit Tagen erschüttert eine Erdbebenserie den Bereich zwischen den Inseln Santorini und Amorgos im Mittelmeer. Viele fürchten sich vor einem herannahenden Unglück in dem beliebten Urlaubsgebiet, denn es bebt vor allem um den Unterwasser-Vulkan Kolumbo herum. Nun äußert sich ein deutsches Forschungsteam zu den seismischen Aktivitäten.

Vulkan bei Santorini: Schon seit mehr als zehn Tagen Erdbeben

„Rund um Santorini wird seit dem 24. Januar eine Häufung schwacher bis mittelstarker Erdbeben verzeichnet“, wie das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel in einer offiziellen Mitteilung am 06. Februar bekannt gibt. Zusammen mit dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung Potsdam beantwortete das Forschungsteam die wichtigsten Fragen rund um die aktuellen Ereignisse, darunter auch die Wahrscheinlichkeit eines nahenden Vulkanausbruchs.

Das Zentrum der Erdbeben liegt zwischen Santorini, dem Unterwasser-Vulkan Kolumbo und Amorgos, in einer Tiefe zwischen vier und zehn Kilometern. Die Serie hält dabei schon seit mehr als zehn Tagen an. Begonnen haben die Aktivität mit nur schwachen Beben unter Santorini. Doch in den letzten Tagen haben sich die Prozesse immer weiter in Richtung Nordosten verlagert.

Die Stärke der Beben erreicht bisher Magnitude fünf oder knapp darüber. „Wann so ein Erdbebenschwarm entsteht, kann nicht vorhergesagt werden. Es gibt insbesondere bei vulkanischen Bebenschwärmen Vorläuferphänomene. Wir untersuchen derzeit die zeitliche Entwicklung und begleitende Veränderungen des Erdbebenschwarms wie z.B. Hebungen oder Senkungen“, so die Forscher*innen der Helmholtz-Zentren.

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An steilen Küstenabschnitten herrscht „ein erhöhtes Risiko“

Ebenso schwer vorhersagbar ist ein möglicher Vulkanausbruch. „Bisher ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um vor einem unmittelbar bevorstehenden Ausbruch zu warnen“, heißt es in der Mitteilung. „Dennoch sind die Warnhinweise, etwa Steilküsten zu vermeiden, richtig und wichtig“, wie die Forscher*innen hinzufügen.

Denn auch ohne die Bedrohung einer plötzlichen Lava-Eruption sollten die Erdbeben nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Solange die Erdbebenaktivität anhält, besteht insbesondere an steilen Küstenabschnitten ein erhöhtes Risiko für Hangrutschungen“, warnen die Wissenschaftler*innen.

Menschen sollten sich daher nicht an den Stränden oder den Steilküsten aufhalten. Sehr starke Erdbeben, die jedoch deutlich intensiver sein müssten, als die bisher registrierten, könnten zudem verheerende Tsunamiwellen auslösen. Trotzdem vermuten die Forscher*innen, dass die Erschütterungen mit vulkanischer Aktivität im Zusammenhang stehen könnten.

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Letzter Ausbruch im Jahr 1650

Denn „solche Erdbebenschwärme sind unter aktiven Vulkansystemen nicht selten und wurden auch unter Santorini und Kolumbo immer wieder beobachtet. Eine mögliche Ursache sind vulkanische Aktivitäten, das heißt, glutflüssiges Gestein oder andere Fluide steigen in der Erdkruste nach oben“, schreibt das Team in der Pressemitteilung.

Auch Bewegungen von Erdplatten, die zu Spannungen im Gestein und plötzlichem Entladen dieser Spannungen führen, können für die Erdbeben verantwortlich sein. Möglicherweise sind auch vulkanische Aktivitäten im Zusammenspiel mit solchen Prozessen die Ursache für die Erschütterungen. Denn wenn sich einzelne Segmente der Ägäischen Erdplatte in der Region um Santorini bewegen, führt das zu einer Dehnung und Ausdünnung der Erdkruste. Dort, wo die Kruste sich dehnt, können dann Fluide und Magmen aufsteigen.

Zuletzt ausgebrochen ist der Kolumbo-Vulkan im Jahr 1650. Doch auch ohne die glühende Lava, könnte es zu schweren Konsequenzen kommen, wenn die Erdbeben in ihrer Intensität zunehmen: „Starke Bodenerschütterungen könnten Gebäude beschädigen oder einstürzen lassen, insbesondere ältere Bauten oder solche, die nicht erdbebensicher konstruiert wurden. Tsunamis könnten Küstenregionen treffen und zu Überflutungen führen – nicht nur auf Santorini, sondern auch auf benachbarten Inseln und dem griechischen Festland.“

Zudem könnten es so auch zu submarinen Hangrutschungen des Vulkankraters kommen. So fasst das Forschungsteam abschließend zusammen: „Die griechischen Behörden sowie internationale Forschende beobachten die Lage sehr genau. Wir können einen Tsunami ebenso wenig ausschließen wie ein schwereres Erdbeben. Die Wahrscheinlichkeit ist aber nach wie vor gering.“

Quelle: GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

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