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Pazifik: Überraschender Fund in mehreren Kilometern Tiefe – „bislang unentdeckte Anomalie“

Tief unter der Meeresoberfläche des Pazifiks verbergen sich zahlreiche Geheimnisse. Einige davon könnten direkt aus den Weiten des Kosmos stammen.

KI-genierertes Bild des Meeresbodens mit versunkenen Fischernetzen.
© AbdulRahmanUzair - stock.adobe.com

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Ob Riesenkalmar oder andere unheimliche Lebewesen, die Tiefsee ist der Stoff aus dem Gruselgeschichten gemacht sind. Auch in der Realität ist noch immer vieles über die zum Teil völlig lichtlosen Bereiche des Meeres unbekannt. Nun ist Forscher*innen bei der Analyse von Proben des pazifischen Meeresgrunds eine unerwartete Entdeckung gelungen.

Tiefsee: Proben vom pazifischen Meeresgrund

An der Untersuchung der Materialien aus der Tiefsee waren dabei Forscher*innen des Helmholtz-Zentrums Dresden Rossendorf (HZDR), der Technischen Universität Dresden und der Australian National University beteiligt. Ihre Ergebnisse haben sie vor wenigen Tagen im Fachmagazin nature communications veröffentlicht.

Diese sollen dabei wertvolle Einblicke in die geologische Vergangenheit unserer Erde bieten, wie es in einer Pressemitteilung des HZDR heißt. Denn die Forscher*innen haben in den Proben eine erhöhte Menge eines seltenen radioaktiven Isotops namens Beryllium-10 (10Be) entdeckt.

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Seltenes radioaktives Isotop

Bei den Proben vom pazifischen Meeresgrund handelt es sich um Ferromangankrusten. Diese bestehen hauptsächlich aus Eisen und Mangan und haben sich im Laufe von Jahrmillionen langsam, aber stetig gebildet. Um die Krusten genau zu datieren, analysierte das Team den 10Be-Gehalt mit einer hochempfindlichen Methode, nämlich der Beschleuniger-Massenspektrometrie am HZDR. 

Als die Forschungsgruppe die Messdaten auswertete, erlebte sie eine Überraschung: „Bei etwa 10 Millionen Jahren fanden wir fast doppelt so viel 10Be, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre“, berichtett HZDR-Physiker Dr. Dominik Koll. „Wir waren also auf eine bislang unentdeckte Anomalie gestoßen.“

Bevor das Team diese Entdeckung publik machte, wollten sie jedoch sicher gehen, dass ihnen dabei kein Fehler unterlaufen ist, und es sich möglicherweise um eine Verunreinigung der Proben handelte. Deshalb analysierten die Fachleute noch einige weitere Proben aus der Tiefsee im Pazifik. Auch hier zeigte sich die Anomalie.

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Tiefsee-Anomalie könnte vor 10 Millionen Jahren entstanden sein

Diese könnte vor 10 Millionen Jahren durch veränderte Meeresströmungen oder durch astrophysikalische Ereignisse entstanden sein, wie die Forscher*innen mitteilen. Die erste Erklärung hängt mit der Ozeanzirkulation nahe der Antarktis zusammen, die sich vor zehn bis zwölf Millionen Jahren wohl drastisch veränderte. „Das könnte dafür gesorgt haben, dass 10Be durch die veränderten Meeresströmungen eine Zeit lang ungleichmäßig auf der Erde verteilt wurde“, so der Physiker. „Dadurch könnte sich 10Be im Pazifik besonders angereichert haben.“

Bei der zweiten Variante geht es um die Intensivierung der kosmischen Strahlung vor rund zehn Millionen Jahren. Diese könnte entweder durch die Nachwirkungen einer erdnahen Sternexplosion oder dem kurzzeitigen Verlust des Schutzschirms der Sonne, also der Heliosphäre, etwa durch die Kollision mit einer dichten interstellaren Wolke, entstanden sein.

„Ob die Beryllium-Anomalie durch veränderte Meeresströmungen entstanden war oder astrophysikalische Gründe hat, können nur neue Messdaten zeigen“, stellt Koll über die Entdeckung in der Tiefsee klar. „Deshalb wollen wir künftig weitere Proben analysieren und hoffen, dass andere Forschungsgruppen das auch tun.“ Sollte man die Anomalie überall auf dem Globus finden, spräche das für die Astrophysik-Hypothese. Sollte sie dagegen nur in manchen Regionen auftreten, wäre die Erklärung aufgrund der veränderten Meeresströmungen plausibler.

Quelle: Helmholtz-ZentrumDresden Rossendorf, „A cosmogenic 10Be anomaly during the late Miocene as independent time marker for marine archives“ (nature communications 2025)

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